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1947Computer4 Min.

Der erste echte Käfer im Computer: die Motte von 1947

Am 9. September 1947 wurde in einem Relais des Harvard Mark II eine Motte gefunden und ins Logbuch geklebt. Das Wort „Bug“ war aber viel älter.

Programmierer nennen einen Fehler „Bug“ (Käfer) und das Beheben „Debuggen“. Hinter diesen Wörtern steckt eine sehr beliebte Geschichte: 1947 fand man in einem riesigen Computer in Harvard eine echte Motte. Und diese Motte gibt es noch, in einem Museum, in ein Logbuch geklebt.

Die Geschichte stimmt. Aber in ihr stecken zwei kleine Korrekturen, die in den sozialen Medien kaum erzählt werden. Die eine betrifft die Frage, wer die Motte fand, die andere das Alter des Wortes „Bug“. Beides lässt sich an der Primärquelle klären, nämlich am Eintrag des Museums, in dem die Motte heute liegt.

Die Motte im Relais

Die Maschine, um die es ging, war der Harvard Mark II. Es war ein riesiger Rechner, der statt mit elektronischen Schaltungen mit elektromechanischen Relais arbeitete. Laut Wikipedia wog er etwa 25 Short Tons (23 Tonnen) und nahm mehr als 370 Quadratmeter Fläche ein. Eine Addition dauerte 0,125 Sekunden, eine Multiplikation 0,75 Sekunden.

Der Mark II war bei der Addition etwa 2,6-mal und bei der Multiplikation etwa 8-mal schneller als sein Vorgänger Mark I. Er war die zweite Maschine mit Hardwareunterstützung für Gleitkommazahlen und hatte eingebaute Einheiten für Operationen wie Quadratwurzel und Logarithmus, die jeweils 5 bis 12 Sekunden dauerten. Ein interessantes Konstruktionsdetail: Die Maschine bestand aus zwei Teilcomputern, die zusammen oder getrennt arbeiten konnten, sodass sich die Ergebnisse gegenprüfen ließen. Im März 1948 wurde sie an das Naval Proving Ground in Dahlgren, Virginia, geliefert.

Am 9. September 1947 gegen 15:45 Uhr arbeitete die Maschine nicht richtig, und das Team sah nach. Laut Computerworld steckte die Motte zwischen den Kontakten des Relais Nr. 70 in Panel F. Das Team entfernte die Motte und klebte sie mit Klebeband ins Betriebsbuch der Maschine. In heutiger Sprache: Das Team hatte die Maschine im wörtlichen Sinn „gedebuggt“. Daneben stand die Notiz: „First actual case of bug being found.“ Das heißt: „Erster tatsächlicher Fall, dass ein Käfer gefunden wurde.“

Korrektur 1: Die Motte fand nicht Grace Hopper

Die Geschichte wird meist mit der Computerpionierin Grace Hopper erzählt. Hopper arbeitete 1947 tatsächlich am Mark II und wurde später Konteradmiralin der US-Marine. Laut Wikipedia arbeitete sie beim Bau und bei der Programmierung der Maschine mit Howard Aiken und Edmund Berkeley zusammen. Aber laut Eintrag des Smithsonian National Museum of American History waren es Ingenieure des Mark II, die die Motte ins Buch klebten, und das Buch gehörte „wahrscheinlich nicht Hopper“.

Hoppers eigentlicher Beitrag war, die Geschichte jahrelang zu erzählen und so berühmt zu machen. Das Museum sagt, Hopper und das Mark-II-Team hätten dazu beigetragen, die Begriffe „Computer Bug“ und „Debug“ zu verbreiten.

Auch beim Datum gibt es eine kleine Verwirrung. Manche Quellen, darunter der Beitrag von Computerworld, nennen für den Eintrag im Buch das Jahr 1945. Das Smithsonian datiert das Buch dagegen auf 1947, und der Mark II wurde ohnehin erst 1947 fertig. Deshalb ist 1947 das verlässlichste Datum.

Korrektur 2: Das Wort „Bug“ war viel älter

Lies die Notiz noch einmal: „first actual case of bug being found.“ Der Witz steckt im Wort „actual“. Die Ingenieure nannten Störungen ohnehin „Bugs“. Diesmal hatten sie erstmals einen echten Käfer gefunden. Die Notiz ist also im Grunde ein kleines, aber bleibendes Beispiel für Ingenieurhumor.

Computerworld berichtet unter Berufung auf The Yale Book of Quotations, dass Thomas Edison 1878 in einem Brief an Theodore Puskas das Wort „Bugs“ für kleine Pannen und Schwierigkeiten benutzte. Die Motte hat das Wort also nicht erfunden, sie wurde nur sein schönster Beleg.

1947 Heute
Bug: eine im Relais eingeklemmte Motte Bug: eine übersehene Zeile im Code
Fehlersuche: die Motte von Hand entfernen Fehlersuche: Debugger und Tests
Fehlerprotokoll: Papierbuch Fehlerprotokoll: Bugtracker

Warum wird die Geschichte so geliebt?

Weil sie etwas Abstraktes greifbar macht. Ein „Softwarefehler“ ist unsichtbar. Aber eine echte Motte, mit Klebeband ins Buch geklebt, ist ein Bild, das jeder versteht. Außerdem begann sie als kleiner Scherz unter Ingenieuren und wird seit fast 80 Jahren erzählt.

Die technischen Daten des Mark II kennt heute kaum jemand mehr, aber die Motte kennt jeder. In der Technikgeschichte hinterlassen manchmal die kleinsten Dinge die größte Spur.

Bist du bei der Suche nach einem „Bug“ in deinem Code auch schon einmal auf einen Fehler gestoßen, der sich wirklich wie ein Käfer versteckte?

Quellen

  1. Log Book With Computer Bug (Smithsonian National Museum of American History)
  2. Harvard Mark II (Wikipedia)
  3. Moth in the machine: Debugging the origins of 'bug' (Computerworld)

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