TEKNOLOJİCİ15

1971Computer4 Min.

Der erste Computer-„Virus“ Creeper löschte nichts

Creeper, der 1971 im ARPANET unterwegs war, berührte keine Daten, sondern schrieb nur eine Herausforderung auf den Bildschirm. Um ihn zu fangen, wurde mit Reaper der erste Virenschutz geschrieben.

Bei „Computervirus“ denken wir an etwas, das Dateien löscht, Daten als Geisel nimmt oder den Bildschirm sperrt. Das Programm aber, das die meisten Quellen als „ersten Virus“ nennen, tat nichts davon. Es schrieb nur eine kleine Herausforderung auf den Bildschirm und sprang zum nächsten Computer.

Sein Name war Creeper, also „Kriecher“.

1971, BBN und das ARPANET

Creeper wurde 1971 von Bob Thomas bei BBN (Bolt Beranek and Newman) in Massachusetts als Experiment geschrieben. BBN war eine Schlüsselfirma beim Aufbau des ARPANET, das als Urahn des Internets gilt.

Das Programm wanderte zwischen DEC-PDP-10-Großrechnern, die am ARPANET hingen und das Betriebssystem TENEX liefen. Laut Wikipedia gab es damals 28 Systeme mit TENEX im ARPANET, das war also die Höchstzahl an Rechnern, die Creeper erreichen konnte.

Bob Thomas ging es nicht um Bosheit, sondern um die Antwort auf eine Frage: Kann sich ein Programm von selbst über ein Netzwerk von einer Maschine zur nächsten bewegen?

Der einzige Satz auf dem Bildschirm

Wenn Creeper eine Maschine erreichte, druckte er auf dem Teletype (einem Terminal mit Drucker) diese Meldung:

„I'M THE CREEPER : CATCH ME IF YOU CAN“

Auf Deutsch: „Ich bin der Kriecher: Fang mich, wenn du kannst.“ Das war alles. Er löschte keine Datei und beschädigte keine Daten. Wikipedia berichtet, dass die Betreiber bei diesem Experiment kooperierten und keine unerwünschten Auswirkungen gemeldet wurden.

Die erste Version kopierte sich nicht einmal selbst: Beim Wechsel von einer Maschine zur nächsten wanderte sie, ohne eine Kopie zurückzulassen. Später änderte Ray Tomlinson, der als Erfinder der E-Mail bekannt ist, das Programm so, dass es sich auf andere Maschinen kopierte. Diese sich selbst vervielfältigende Version gilt als der allgemein anerkannt erste Computerwurm (Worm).

Virus oder Wurm?

Hier ist eine kleine, aber wichtige Korrektur nötig. Technisch gesehen war Creeper kein Virus, sondern ein Wurm. Ein Virus verbreitet sich, indem er sich an ein anderes Programm oder eine Datei heftet; ein Wurm bewegt sich eigenständig durchs Netzwerk. Creeper gehört zur zweiten Gruppe. Trotzdem nennen ihn viele Veröffentlichungen „den ersten Computervirus der Welt“; auch ein von Wikipedia wiedergegebenes Guardian-Zitat verwendet genau diese Formulierung. Das ist die populäre Fassung des Begriffs, aber technisch korrekt ist die Bezeichnung „erster Wurm“.

Der Begriff „Computervirus“ selbst entstand 12 Jahre nach Creeper. Laut dem WeLiveSecurity-Beitrag von ESET schrieb Fred Cohen, Student an der University of Southern California, am 3. November 1983 ein sich selbst verbreitendes Programm; sein Professor Len Adleman schlug den Begriff vor, indem er diese „Infektions“-artige Verbreitung mit Viren in der Biologie verglich. Cohen hatte das Programm auf einer VAX 11/750 mit Unix in etwa acht Stunden Arbeit fertiggestellt.

Reaper: der erste Virenschutz

Als es ein Programm gab, das sich im Netz selbst kopierte, brauchte es auch etwas, das es aufhielt. Ray Tomlinson schrieb 1972 ein Programm namens Reaper („Schnitter“). Auch Reaper wanderte durch das ARPANET und löschte Creeper, wo immer er ihn fand. Wikipedia beschreibt ihn als die erste Antivirensoftware.

Die Geschichte hat eine schöne Ironie: Der erste Virenschutz der Welt war selbst ein Programm, das von allein durchs Netz wanderte. Um den „Wurm“ zu fangen, wurde also ein anderer „Wurm“ geschrieben.

Damals Jetzt
1971: höchstens 28 TENEX-Maschinen Milliarden vernetzter Geräte
Ein einziger Scherzsatz auf dem Bildschirm Ransomware, Datendiebstahl
Reaper: ein Aufräumer mit einem einzigen Ziel Ständig aktualisierte Sicherheitssoftware

Der lange Schatten eines harmlosen Experiments

Creeper war harmlos, aber er öffnete eine Tür: Wenn sich ein Programm von selbst über ein Netzwerk verbreiten konnte, konnte jemand diese Macht auch für böse Zwecke nutzen. Genau das geschah in den folgenden Jahrzehnten, und die Wörter „Virus“, „Wurm“ und „Antivirus“ gingen in unseren Alltag ein.

Würde ein Sicherheitsforscher heute ein ähnliches Experiment ohne Erlaubnis ins Internet entlassen, bekäme er höchstwahrscheinlich ernsthaften Ärger. Das ARPANET von 1971 war dagegen eine kleine Gemeinschaft von Forschern, die einander kannten, und das Experiment lief, wie Wikipedia berichtet, in Zusammenarbeit mit den Betreibern.

Der Ausgangspunkt war trotzdem kein Angriff, sondern Neugier. Ein Ingenieur fragte „Ob das wohl geht?“ und gab die Antwort mit einem einzigen Satz auf dem Bildschirm.

Wäre Creeper heute geschrieben worden: Würde man ihn als harmloses Experiment oder als Sicherheitsverstoß werten?

Quellen

  1. Creeper and Reaper (Wikipedia)
  2. Professor Len Adleman explains how he coined the term computer virus, WeLiveSecurity (ESET)

Aus demselben Regal

JAHR1971