Sieh dir die Maus unter deiner Hand an. Kunststoff, vielleicht kabellos, vielleicht beleuchtet. Die erste Computermaus hatte von alldem nichts. Sie war eine Holzkiste, darunter zwei im rechten Winkel zueinander stehende Metallräder, und hinten hing ein einzelnes Kabel heraus.
Diese Holzkiste war der Vorfahr eines Geräts, das wir heute alle jeden Tag benutzen. Das Überraschendste an der Geschichte aber ist, dass ihr Erfinder mit dieser Erfindung fast nichts verdiente.
Eine Notiz 1963, eine Kiste 1964
Die Idee stammte von Douglas Engelbart. Engelbart erforschte am Stanford Research Institute (SRI) in Kalifornien, wie Menschen effizienter mit Computern arbeiten können. Laut Wikipedia schrieb er die Idee erstmals am 14. November 1963 in sein Notizbuch.
Wer die Idee greifbar machte, war Bill English. English kam 1964 in Engelbarts Labor und baute anhand seiner Zeichnungen den ersten Prototyp. Auch der Fotoeintrag bei History of Information datiert diese erste Maus auf „etwa 1964“.
Laut dem Centre for Computing History bestand das Gehäuse des Prototyps aus Holz, und darunter lagen zwei dünne Metallräder, die die Oberfläche berührten. Eines der Räder maß die horizontale, das andere die vertikale Bewegung. Jedes Rad war mit einem Potentiometer verbunden, das heißt: Drehte sich das Rad, bewegte sich der Cursor auf dieser Achse.
Warum „Maus“?
Niemand erinnert sich genau. In Engelbarts eigenen Worten: „No one can remember. It just looked like a mouse with a tail, and we all called it that.“ Das heißt: „Niemand weiß es mehr. Sie sah einfach aus wie eine Maus mit Schwanz, und wir alle nannten sie so.“
Der „Schwanz“ war das Kabel, das hinten aus dem Gerät kam. Holzkiste und das Kabel daran ergaben zusammen tatsächlich ein Bild, das an ein kleines Nagetier erinnerte.
Der Tag, an dem die Welt sie sah: 9. Dezember 1968
Die Maus wurde am 9. Dezember 1968 der Welt vorgestellt. Engelbart zeigte bei seiner Präsentation in San Francisco, die später als „Mother of All Demos“ (Mutter aller Demos) bekannt wurde, die Maus, Textbearbeitung und Ideen wie verlinkte Dokumente live.
Hier ist eine kleine Anmerkung nötig: Die Idee der Maus entstand nicht an einem einzigen Ort. Laut Wikipedia bot Telefunken in Deutschland ein 1966 unabhängig entwickeltes Eingabegerät namens „Rollkugel“ in einem Prospekt vom 2. Oktober 1968 als optionales Zubehör für das Terminal SIG 100 an. Dieses Gerät arbeitete mit einem Kugelmechanismus.
Die Maus war eigentlich Teil eines viel größeren Projekts von Engelbart. Das in dem von ihm gegründeten Augmentation Research Center entwickelte NLS (oN-Line System) zeigte Maus, Bitmap-Bildschirme, Textverarbeitung und Hypertext zusammen. Den Rahmen dieser Vision hatte Engelbart im Oktober 1962 in dem Bericht „Augmenting Human Intellect: A Conceptual Framework“ skizziert.
| Prototyp von 1964 | Die Maus von heute |
|---|---|
| Holzgehäuse | Gehäuse aus Kunststoff oder Metall |
| Zwei senkrechte Metallräder | Optischer oder Lasersensor |
| Kabel hinten, also der „Schwanz“ | Meist kabellos |
| In einem einzigen Labor | Auf fast jedem Schreibtisch |
40.000 Dollar und null Lizenzgebühren
Das Patent gehörte nicht Engelbart, sondern seiner Einrichtung SRI. Wie das Centre for Computing History berichtet, erzählt Engelbart, er habe Jahre später erfahren, dass SRI die Maus für „something like $40,000“, also „etwa 40.000 Dollar“, an Apple lizenziert habe. Wikipedia schreibt dagegen, das Patent sei abgelaufen, bevor sich die Maus auf Personal Computern verbreitete.
Ergebnis: Der Mann, der die Maus erfand, bekam für diese Erfindung nie Lizenzgebühren. Das bestätigen sowohl Wikipedia als auch das Centre for Computing History. Die Anerkennung kam aber, wenn auch spät: 1997 erhielt er sowohl den ACM Turing Award als auch den mit 500.000 Dollar dotierten Lemelson-MIT Prize, und im Dezember 2000 wurde er mit der US-amerikanischen National Medal of Technology geehrt. Engelbart starb am 2. Juli 2013 im Alter von 88 Jahren.
Schon der Name der Einheit, in der Engelbart arbeitete, sagte etwas über sein Ziel: Augmentation Research Center, also Forschungszentrum zur „Steigerung“ menschlicher Fähigkeiten. Die Holzkiste war nur ein Teil dieser großen Idee. Jedes Mal, wenn du heute mit deiner Maus klickst, nutzt du ein kleines Stück dieser Vision, die in einem Forschungslabor der 1960er-Jahre skizziert wurde.
Bei welchem Gerät, das wir heute benutzen, ist der Erfinder jemand, dessen Namen wir nie gehört haben?