Im Internet kursiert oft ein Satz: „Das WLAN hat ein Hollywood-Star erfunden.“ In dem Satz steckt eine wahre Geschichte, aber der Satz selbst stimmt nicht. Hedy Lamarr hielt tatsächlich ein wichtiges Patent. In diesem Beitrag trennen wir, was dieses Patent tat, was es nicht tat und welche echte Verbindung es zu den heutigen Funktechniken gibt.
Von Wien nach Hollywood, von Hollywood ins Patentamt
Hedy Lamarr wurde am 9. November 1914 in Wien geboren (manche Quellen nennen 1913) und wurde Ende der 1930er-Jahre zu einem der bekanntesten Gesichter Hollywoods. Laut Wikipedia hatte sie bei Treffen ihres früheren Ehemanns, der im Waffenhandel tätig war, erfahren, dass Marinen Torpedos per Funk lenken wollten, der Feind dieses Signal aber stören (Jamming) könnte.
Ihre Idee entwickelte sie mit dem Komponisten George Antheil weiter. Antheil hatte sich für sein Werk „Ballet Mécanique“ darum bemüht, mehrere mechanische Klaviere (Pianolas) zu synchronisieren. Diese Erfahrung wurde zum Kern der Lösung der beiden.
Was stand im Patent genau?
Laut APS News reichten die beiden ihren Patentantrag am 10. Juni 1941 ein, und das Patent wurde am 11. August 1942 erteilt. Das US-Patent 2.292.387 trägt den Titel „Secret Communication System“ (Geheimes Kommunikationssystem) und ist unter Lamarrs bürgerlichem Namen eingetragen, Hedy Kiesler Markey.
Die Idee: Der Sender auf dem Schiff und der Empfänger im Torpedo sollten das Lenksignal nicht auf einer einzigen Frequenz, sondern auf ständig wechselnden Frequenzen senden und empfangen. Selbst wenn der Feind eine einzige Frequenz fände und störte, wäre das Signal längst auf eine andere gesprungen. Damit die Sprünge an beiden Enden gleichzeitig erfolgen, sollte laut Smithsonian ein von zwei Motoren angetriebenes Band ähnlich einer Pianola-Rolle dienen. Das System sprang zwischen 88 Frequenzen, so viele wie Tasten am Klavier.
Wo die Legende korrigiert werden muss
Hier gibt es zwei wichtige Korrekturen.
Erstens: Die Idee des Frequenzsprungs gab es schon vor Lamarr und Antheil. APS News betont, es sei „kein völlig neues Konzept“ gewesen, und verweist als Beispiele auf Nikola Teslas Patente von 1900 und 1903, ein Patent für ein „geheimes Kommunikationssystem“ von 1920 und Patente, die 1939 und 1940 an zwei deutsche Ingenieure erteilt wurden. Der Beitrag von Lamarr und Antheil bestand darin, die Idee in ein konkretes, mechanisch synchronisiertes System zur Torpedolenkung zu überführen.
Zweitens: Das heutige WLAN stammt nicht direkt von diesem Patent ab. Selbst das Smithsonian schreibt, es sei „unmöglich zu wissen, wie sehr die Erfindung von Lamarr und Antheil die Entwicklung dieser Technik tatsächlich beeinflusst hat“. Ähnliche Systeme kamen laut APS 1957 bei Sylvanias Transistorarbeiten zum Einsatz, laut Wikipedia im operativen Betrieb erstmals 1962.
Die echte Verbindung zu WLAN und Bluetooth
Lamarrs Patent ist ein frühes Beispiel für eine große Technikfamilie, das „Spreizband“-Verfahren (Spread Spectrum). Ein Zweig dieser Familie, das Frequenzsprung-Spreizband (FHSS), lebt tatsächlich in heutigen Funkgeräten weiter:
- Klassisches Bluetooth springt zwischen 79 Kanälen in der Regel 1.600 Mal pro Sekunde.
- Das 1997 veröffentlichte erste IEEE 802.11 (der Standard, aus dem das WLAN hervorging) bot im 2,4-GHz-Band Geschwindigkeiten von 1 und 2 Mbit/s und enthielt den Frequenzsprung als eine der Optionen der physikalischen Schicht.
Der richtige Satz könnte also lauten: Lamarr ist eine der Wegbereiterinnen der Frequenzsprung-Idee, die heute in Bluetooth und in den ersten WLAN-Versionen verwendet wird. Auch Wikipedia stellt diese Verbindung gerade für „Bluetooth und die ersten Versionen des WLAN“ her; außerdem enthielt der erste Standard neben dem Frequenzsprung auch das Direct-Sequence-Spreizband (DSSS). Zu sagen, „Lamarr hat das WLAN erfunden“, ist deshalb übertrieben.
| Legende | Wahrheit |
|---|---|
| Hedy Lamarr hat das WLAN erfunden | Sie patentierte ein Torpedo-Lenksystem mit Frequenzsprung |
| Sie kam als Erste auf den Frequenzsprung | Die Idee gab es schon früher (Tesla, Patente von 1920 und 1939-1940) |
| Das Patent wurde sofort genutzt | Die Marine nutzte es nicht, das Patent lief 1959 aus |
| Sie wurde nie gewürdigt | 1997 EFF Pioneer Award, 2014 National Inventors Hall of Fame |
Lamarrs Verdienst braucht keine Legende. Laut Wikipedia war sie 1997 die erste Frau, die den BULBIE Gnass Spirit of Achievement Award der Invention Convention erhielt, und 1998 bekam sie die Viktor-Kaplan-Medaille des Österreichischen Verbands der Patentinhaber und Erfinder. Ebenfalls 1997 wurde sie zusammen mit Antheil mit dem Pioneer Award der Electronic Frontier Foundation geehrt, und 2014 wurde sie postum in die US-amerikanische National Inventors Hall of Fame aufgenommen. Dass ein Filmstar in den Kriegsjahren dasaß und ein Patent schrieb, ist an sich schon außergewöhnlich.
Dient es der Person, wenn man eine Erfindung „übertrieben“ erzählt, oder stellt es ihren wahren Beitrag in den Schatten?