Wie oft am Tag schickst du Emojis? Lachendes Gesicht, Herz, Feuer, winkende Hand ... Die meisten von uns sahen sie zum ersten Mal auf der Tastatur eines Smartphones und dachten, das Emoji komme von dort. Aber das Emoji ist weder eine Erfindung von Apple noch des Silicon Valley. Seine Wurzeln reichen in das Japan der 1990er zurück, zu Handys mit winzigen Bildschirmen.
1999: 176 kleine Bilder für i-mode
1999 bereitete der japanische Mobilfunkbetreiber NTT Docomo den Dienst i-mode vor, mit dem sich Handys mit dem Internet verbinden ließen. Der junge Designer Shigetaka Kurita (Jahrgang 1972), der bei dem Unternehmen arbeitete, entwarf für diesen Dienst ein Set aus 176 Piktogrammen. Jedes war in ein Raster von nur 12×12 Pixeln gezeichnet.
In einem so kleinen Feld ein Gefühl oder einen Gegenstand unterzubringen, war eine echte Designaufgabe: insgesamt 144 Pixel pro Symbol. Laut MoMA ließ sich Kurita von Manga, der Schrift Zapf Dingbats und Ausdruckszeichen (Emoticons) inspirieren. Wikipedia nennt als Inspirationsquellen außerdem Wettersymbole, chinesische Schriftzeichen und Verkehrsschilder. Das Set enthielt Wettersymbole, Piktogramme wie das Herz und Gesichtsausdrücke.
Neben den heutigen Emojis wirken Kuritas Zeichnungen fast abstrakt. Ein Herz, eine Sonne oder ein lachendes Gesicht mit ein paar Dutzend Pixeln erkennbar zu machen, war aber angesichts der damaligen Bildschirmgrenzen echte Meisterarbeit.
Das Ziel war, Kurznachrichten und mobilen E-Mails Ton und Gefühl zu geben. Denk an den Unterschied zwischen einem schlichten „okay“ und einem „okay“ mit lachendem Gesicht daneben.
Pixel im Museum
Kuritas Set kam 2016 in die Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York. In den Aufzeichnungen des MoMA ist das Werk als „Emoji, 1998-1999“ geführt, als Schenkung von NTT Docomo. Das Museum hält fest, dass die heutigen Emojis Nachkommen dieses Originalsets sind, und zeigte es den Besuchern auch in einer Ausstellung namens „Inbox: The Original Emoji, by Shigetaka Kurita“. Dass Handysymbole aus ein paar Pixeln in einem der bekanntesten Museen für moderne Kunst der Welt landen, erinnert daran, dass Design nicht nur auf großen Leinwänden lebt, sondern auch auf den kleinsten Bildschirmen.
War das „erste“ Emoji wirklich Kuritas?
Viele Jahre wurde es so erzählt. Das Emoji-Archiv Emojipedia hat diese Darstellung aber mit einer Richtigstellung namens „Correcting the Record“ geändert. Laut Emojipedia bot SoftBank, damals noch J-Phone, auf dem am 1. November 1997 erschienenen Telefon SkyWalker DP-211SW ein Set mit 90 Emojis an. Laut Wikipedia umfasste dieses einfarbige 12×12-Pixel-Set Zahlen, Sport, die Uhrzeit, Mondphasen und das Wetter. Die Designer sind unbekannt. Weil sich das Telefon schlecht verkaufte und das Set auf anderen Geräten nicht unterstützt wurde, erreichten diese Emojis kein breites Publikum.
Deshalb waren wir im Video vorsichtig, statt zu sagen „Kurita ist der Erfinder des Emojis“: Kuritas Set war nicht das erste, aber das, das Emojis verbreitete und als Vorfahr der heutigen gilt. Emojipedia erinnert außerdem daran, dass Docomo 1995 ein Herzsymbol auf Pagern einführte, das sich als frühes Emoji werten lässt.
| Damals | Jetzt |
|---|---|
| 1997: SoftBank, 90 Emojis | Unicode 17.0: 3.953 Emojis |
| 1999: Docomo, 176 Emojis, 12×12 Pixel | Hochauflösende, farbige Zeichnungen |
| Nur japanische Handys | Auf jeder Plattform der Welt |
Wann kam Apple ins Spiel?
Apples Rolle in der Emoji-Geschichte war nicht, das Emoji zu erfinden, sondern es in die Welt zu tragen. Laut Wikipedia wurde die Emoji-Tastatur auf dem iPhone 2008 mit iPhone OS 2.2 zunächst nur in Japan eingeführt. Im Oktober 2010 machte Unicode 6.0 722 Emojis zum Standard; so konnten verschiedene Geräte dasselbe Emoji gleich darstellen. Apple öffnete die Emoji-Tastatur 2011 mit iOS 5 auch für Nutzer außerhalb Japans.
Die heutige Emoji-Liste ist weit von Kuritas 176 Quadraten entfernt. Laut Wikipedia definiert Unicode 17.0 insgesamt 3.953 Emojis mit 1.438 Zeichen. Der Unterschied kommt daher, dass viele Emojis nicht aus einem einzelnen Zeichen, sondern aus der Kombination mehrerer bestehen; Hautfarbenoptionen oder Familien-Emojis entstehen so.
Die Kette sieht also so aus: Japanische Betreiber erfanden das Emoji, Unicode machte es zu einer universellen Sprache, und Smartphones brachten es in jede Tasche.
Was drückt das Emoji heute aus, das wir mit Schrift nicht sagen können?